Ein Hinweis auf eine etwas anmüsant-rätselhafte Klasse besonderer Verben in regelmäßiger Bildung: Diese Verben haben in ihrer Bedeutung eine geringere Tätigkeits-Intensität als das Stammverb, quasi wie eine eigene grammatikalische Form. Das eingefügte "l", das somit die Norm-Endung des Verbs von "en" auf "eln" erweitert, scheint eine Art Verkleinerungsform zu sein (gedanklich vielleicht analog zu Substantiven Kasten > Kasterl, Glas > Glaserl usw. in süddeutschen Dialekten). Bei [das Lachen > das Lächeln] ist sogar das dem Verb zugeordnete Substantiv analog gebildet
Der Vokal wechselt zumeist in den Umlaut und vor das Schluss-n wird also das "l" eingefügt. Ansonsten werden sie ebenso konjugiert wie das Verb, von dem sie abgeleitet sind. Sie haben sich in der deutschen Sprache fest (oder wie "köcheln" erst in neuerer Zeit) etabliert und werden eigentlich nicht als Ableitung eines bestehenden Verbes aufgefasst, sondern als durchaus eigenständiges Tätigkeitswort.
lache - lachst - lacht - lachen - lacht - lachen wird auch ganz regelmäßig
zu
lächle - lächelst - läch(e)lt - lächeln -
läch(e)lt - lächeln in der Zeitform der Gegenwart unter
Einfügung des "l" in die Endung der Verbform (und der Umwandlung von
"a" in "ä"). Ob das "e" in der Endung immer noch
mitgesprochen wird, ist wieder eine andere Frage. Da es eine ganze Reihe Verben
gibt, die von auf "l" endenden Substantiven abgeleitet wurde (siehe
Kasten 4), macht das Konjugieren dieser Verben im Deutschen auch keine
Mühe und scheint nicht ungewohnt.
2) Diese Bildungsform von Verben ist offensichtlich aber nicht beliebig umsetzbar. Von Verben wie beispielsweise "sprechen" > "sprecheln", "gehen" > "geheln", "springen" > "springeln", "töten" > "töteln", "lesen" > "leseln", "trompeten" > "trompeteln", "tragen" > "trageln" > sind zwar analoge Bildungen vorstellbar, aber nicht üblich. Sie hören sich ausgesprochen ungewohnt an und sind nur mit Mühe verständlich, obwohl man doch auch hier in manchen Fällen für das Verb eine Form gebremster oder verminderter Tätigkeit verwenden möchte. Hier hat der Sprachgebrauch offensichtlich keine derartige "Abkürzung" als notwendig empfunden und behilft sich mit Umschreibungen, manchmal auch mit einem anderen Verb. Diese werden analog gebildet, sind aber keine
3) Daneben gibt es Formen dieser Verben ohne "Stammverb" wie (Rad > raden) > radeln, (Sud > suden) > sudeln, (Hand > handen) > händeln, (Rand > randen) > rändeln, (Schwanz > schwanzen) > schwänzeln, oder mit nicht sogleich durchschaubarer Ableitung wie ? > tingeln, ? > röcheln, ? > drechseln. Hier kommt zwar die oben dargestellte Verbbildung mit eingefügtem "l" und zum Teil mit Umlaut zum tragen, es gibt aber kein Verb mit stärkerer Tätigkeitsintensität, von dem die Ableitung erfolgt. Vom Substantiv könnte man theoretisch auch ein Verb ohne das Fugen-"l" bilden. Doch hat die Sprache in der Praxis die direkt vom Substantiv abgeleitete Verbform verworfen und eben die bevorzugt, die das "Verkleinerungsmorphem" enthält. Indoeuropäische Sprachen gehen eben sehr souverän mit der Logik um.
4) Nun muss man sich durch Ähnlichkeit nicht täuschen lassen. Von den mit dem Konsonanten "l" endenden Begriffen wie "Wechsel", "Schaukel", "Schummel", "Hebel", "Trommel", "Trödel", "Mangel" kann man entsprechende Verben "wechseln", "schaukeln", "schummeln", "hebeln", "trommeln", "trödeln", "mangeln" ableiten, analog von Angel, Segel und Zweifel. Diese haben - dem Substantiv folgend - das "l" am Ende. Normalerweise könnte man eine Stammform "wechselen", "schaukelen", "schummelen", "hebelen", "trommelen", "trödelen" "mangelen" erwarten. Doch wird auch hier wie in vielen anderen Fällen das "e" vor dem Schluss-n eingespart, so dass ein Verb entsteht, dass wie die oben dargestellte Form des Verbes mir geringer Tätigkeitsintensität aussieht, aber kein derartiges ist. Eigenartig anders ist von "Maul" > "maulen" abgeleitet, weil man "mauln" in kein Konjugationsschema einpassen kann.
Das ist erst der Anfang. Dieses Kapitel wird weiter fortgesetzt
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