Die bisherige Rechtschreibreform war halbherzig und unlogisch. Sie verlor sich einmal wieder im Zaghaften und Kleinlichen. Irgendwann wird es uns so gehen wie den Franzosen mit ihrer Rechtschreibung aus dem 13. Jahrhundert oder den Engländern, die ungefähr im 17. Jahrhundert stehen blieben. Gesprochene und geschriebene Sprache weichen dort stark voneinander ab. Im Deutschen war beides nie so stark unterschieden. Und das sollte wohl auch so bleiben.
Viele dieser Vorschläge sind nicht neu. Der "Spiegel" berichtete in Ausgabe 36/2004, Seiten 161-164 in ziemlich polemischer Art darüber, dass viele Gedanken dazu schon aus der Nazi-Zeit stammen (und damit notwendigerweise irgendwie verbrecherisch sein müssten). Mit diesem Totschlagsargument kann man natürlich leicht weitere Diskussionen abwürgen. Leider (für die unredliche Argumentation des Spiegel) haben in den 1970-er Jahren "antiautoritäre" Gruppen gleiche und ähnliche Vorschläge wiederholt. So ist das also nun doch nichts mit der braunen Kontaminierung einer Rechtschreibreform.
Nun kann man überall ein Haar in der Suppe finden, wenn man keine Veränderungen will. Damit befand sich der Spiegel in ungewohnt trauter Gemeinsamkeit mit BILD und den die Gerichte bemühenden Müttern mit Doppelnamen, die für ihre 7-jährigen Töchter durch eine neue Rechtschreibung seelische Schäden befürchteten. Trotzdem sollte man folgendes tun: .
° "ks"-Laut wird jetzt "x" (Axt), "chs" (Fuchs, Lachs) oder "ks" (Murks) geschrieben - neu nur noch "ks". (akst, fuks, luks, murks) Das "X" wird zwar arbeitslos, aber für einen anderen Job umgeschult.
° "pf" am Anfang wie "pferd" oder "pflanze"
ist unlogisch, denn alle sagen "ferd" oder "flanze". Nur z.B.
bei "hop-fen" oder "ap-fel"
spricht man eine Silbentrennung zwischen "p" und "f" oder
bei "napf" hört man beide Laute deutlich.
Seltsam dabei, dass Hochdeutsch zu "F" (ferd, flanze) und Plattdeutch zu "P" tendiert
(peer, plant)
° "f, v und w" = Sprechen kann man nur stärker oder schwächer behaucht, also "f" oder "w". Worte mit "v" werden aufgeteilt. Wenn "f" gesprochen wie Vater, Verse, vor, die Vorsilbe ver..., Veilchen, dann mit "f" schreiben, aber wenn "w" gesprochen wie "Vase", dann sollte man auch "w" schreiben. Das "V" geht in Rente. Meinetwegen kann auch das "W" in Rente gehen und das "V" übernimmt dem w-Laut in "vasser, vase, varm, vurzel" usw. "V" schreibt sich schneller als "W".
Das Ferd wieherte. "Vas ist los?" fragte sich der Fater. Er vollte doch nur in Ruhe den Laks angeln. Ekstra frei genommen hatte er sich heute. Am Rande der Wiese sah er den Fuks. "Ruhig, Brauner!" meinte er zum Hengst. "Der tut nichts. Hat sich wohl nur bis hier ferirrt". Dann sah er vieder auf das Vasser. Jetzt regte sich etvas zwischen den Vasserflantzen. Eine Flosse kam nach oben und die Vassertropfen spritzten. "Ferdammt! Er fraß den Köder und haut ab!" ärgerte sich der Fater. Um sich zu beruhigen, griff er zur Flasche mit dem Hopfensaft. "Das ist noch Qualität" meinte er, als er den ersten Schluck genommen hatte.
° "q" gibt es in europäischen Sprachen nicht, sondern es bezeichnet einen phönizischen / arabischen Konsonanten hinten im Rachen. Die Griechen haben ihn wohlweislich nicht in ihr ABC übernommen. Schweden und Holländer schreiben "kw" oder "kv", wie man es auch spricht. Daher sollten wir es auch so machen. Lateinische Zitate behalten natürlich ihr "q". Auch das "q" bekommt eine neue Chance.
° Die Rumeierei mit dem "ß" sollte endlich aufhören. Einfach "z" schreiben. Nur die Deutschen haben ein "ß" und nerven damit andere. "straße" wird "straaze". "Scharfes" S wie in Glas könnte man auch mit Z schreiben im Unterschied zu weichem S in Rasen (oder Glaser) und somit auch "daz" = das; "daz" = dass, ehemals daß, denn beides spricht man "scharf". - Ach, die arme Etymologie !.
° ob das "ä" nun ein eigener Vokal oder doch "e" ist, darüber kann man durchaus diskutieren.
° "ai" in "waise" oder "kaiser" wäre besser mit "ei" zu schreiben, so wie jetzt "meise" oder "reise".
° Eigentlich sind so Q, V (oder W) und X völlig überflüssig. Damit der ASCII-Code und Unicode nicht durcheinander kommt, sollte man diese Zeichen aber im ABC belassen.
Nebenan betrachtete der Glaser daz Spezialglaz. "Diese Scheibe bringt mir fiel Geld. Gut, daz der Junge sie eingeschmissen hat. Sein Fater hat ihn zwar ferhauen, aber daz soll mir egal sein." Er steckte daz weize Notizbuch wieder ein. "Seks Euro Ferdienst pro Kwadratzentimeter ist doch ein guter Anfang für den Mei."
° Kleinschreibung der Worte. Die Dänen haben dies 1948 ja auch hinbekommen. Meinetwegen Satzanfang und Namen groß - doch wozu eigentlich? Dann geht wieder der Streit los, was ein Name ist. Wer will, kann natürlich gern Gott, Allah, Buddha, Jesus u.ä., woran er glaubt, groß schreiben. Nicht aber "sozialismus", "nation", "tierschutz" oder "feminismus". Auch dann nicht, wenn man fundamentalüberzeugt ist.
° Lange Vokale konsequent verdoppeln und ohne Dehnungs-e oder -h, sondern bei "i" dann eben "ii" (siehe bei den Finnen) oder meinetwegen als "ii" dann "y". Konsonantenverdopplung bei kurzen Vokalen kann dann entfallen. Wenn natürlich 2 Silben, dann auch 2 Konsonanten (z.B. was-ser oder stil-le ) "seeelefant" behält seine 3 "e". Der "Mohr" und das "Moor" werden dann beide "moor" geschrieben ebenso wie der "Tor" und das "Tor" dann "toor". Der Kammmolch verliert leider sein drittes "m", weil das "a" kurz gesprochen wird.
° Ein "sch"-Laut fehlt in vielen europäischen Schriften (es sei denn, sie verwenden das kyrillische - russische - Alphabeth). Die Spanier nehmen dafür das jetzt arbeitslose "x" und das ist doch eine gute Idee.
° Auch ein "ch"-Laut fehlt. Hier könnte vielleicht das "q" verwendet werden (?).
Übrigens: Ein guter Tipp, sich heutige Vorstellungen von Orthographie anzusehen, sind Blogs in Internet-Foren. Selten korrekt, manchmal erschreckend, hin und wieder innovativ, oft lehrreich, immer überraschend.
Während die Schreibung der Worte und auch die Bedeutungsschattierung der Worte relativ schnellerem Wandel unterworfen sind (eher Jahrzehnte), halten sich Strukturen des Satzbaus, der Deklination oder Konjugation deutlich zäher (eher Jahrhunderte). Noch immer ist die Konjugation des französischen Verbs der lateinischen Großmutter ähnlich. Während man bei der englischen Sprache sehen kann, welche grammatikalischen Vereinfachungen möglich sind, wehrt sich das Deutsche zäher gegen den Verlust der indoeuropäischen Flexionsvielfalt. Nun verlor schon das Althochdeutsche seinen Instrumental (auf -u wie bei den Slawen) und der Genetiv liegt im Sterben. Viele Endungen des Substantiv in den verschiedenen Fällen unterscheiden sich nicht mehr. Man kann sich fragen, ob nicht der Gebrauch von Artikeln oder Präpositionen eindeutiger ist.
° Das Verb wird in der ersten Person Einzahl ("ich") immer noch "gehe", "habe", "möchte", "backe", "frage" usw. geschrieben. Wer spricht das noch so? Man hört "Ich geh jetzt nach Haus" oder "ich frag mal ganz blöd ..." oder "ich back mirn Ei drauf". Nur "möchte" kämpft sich noch etwas um sein "e" am Ende, doch gibt es schon "ich möcht aber lieber ..." Im Plural ("wir") ist es ähnlich = gehen, springen, fragen, haben, wissen usw. werden in Wirklichkeit zu "gehn", "springn", "fragn", "habn", "wissn" und diese vokalärmere Aussprache macht im Deutschen auch keinerlei Schwierigkeiten. Hier ist "möchtn" schon weiter umgewandelt als im Singular.
° Unregelmässige Verben gibt es auch im Deutschen. dort nennt man sie ja "starke" Verben. Doch sie schwächeln. Wenn Kinder sprechen lernen und sie dann das System der Konjugation begriffen haben, beugen manche konsequent alle Verben regelmäßig ("schwach"). Meinem Sohn Stephan habe ich daher mühsam die "starken" Verben beigebracht. Vielleicht überflüssig, denn immer mehr ehemals starke Verben werden jetzt schwach gebeugt. "backen" und "fragen" - stark oder schwach? "er frug" oder "sie fragte" ist vielleicht schon eine Generationenfrage.
° Adjektiv: wild - wilder - am wildesten, aber bei "wilder" höre ich kein "er", nur "wilda". Dieses endende "er" ist auch bei Substantiven anfällig für Umwandlung in einen "A"- oder "Ä"-ähnlichen Laut (Messer > Messa)
° Verbindungen von Wortklassen: Beispielsweise "dems" = dem es oder "mans" = man es (Blog). Zeigt aber anschaulich die Wandelbarkeit von grammatikalischen Endungen, ihre Geburt und den Untergang. Durch den Wegfall von Vokalen entstehen Fügungen wie "mirn" = mir ein.
° Die Agonie des Genetivs ist ja nun allgemein bekannt. "Meines Vaters Haus" hört man nicht mehr, "Das Haus von meinem Vater" oder etwas vulgär umschrieben "Mein Vater sein Haus".
[Rechte nach UrhG bei Horst Buchholz, 29553 Bienenbüttel]