
Diese und folgende Zeichnungen = Verfasser |
Nach der Jahrhundertwende hatte sich das innerstädtische Liniennetz in seinen
Hauptzügen etabliert. Hauptengpass war der Gr. Burstah. So wurde die
Linie [14] ab 1903 über Dovenfleet geleitet, um diese Straße etwas zu
entlasten. 11 Linien - jede alle 10 Minuten fahrend - und die alle 2 1/2 Minuten
verkehrende Zentralbahn bedeuten 15 Züge je 10 Minuten durch diese Straße,
durchschnittlich alle 40 Sekunden einer. Daher sieht man auf alten Photos auch
eine endlose Schlange von Straßenbahnwagen in dieser Straße.
Somit konnten die Linien [15], [16], [29], [31] und [32] nicht auch noch von dieser Straße aufgenommen werden. Sie kehrten auf dem rot eingezeichnetem Gleis auf dem Rödingsmarkt. Dabei mussten sie sich allerdings beeilen, denn viel Platz zum Verweilen gab es ja nicht. Wie man auf Photos sehen kann, holte das Kehrgleis etwas nach rechts aus, überkreuzte das Streckengleis Richtung Gr. Burstah und führte dann in den Graskeller, um auch entsprechenden Radius zu haben. Ob die Strecke über die Straße Rödingsmarkt in dieser Zeit ein- oder zweigleisig war, ist noch nicht gewiss. Anzunehmen ist aber Zweigleisigkeit nach der eindeutig eingleisigen Abzweigung. |
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Bei einer größeren Linienumstellung am 19.10.1905 entschloss sich
die Straßen-Eisenbahn Gesellschschaft, einige der Kehrlinien vom Rödingsmarkt
abzuziehen. Linie [25] wurde mit Linie [29] "verbunden" (so hieß es
stets beschönigend in den Senatsprotokollen) und Linie [22] mit der [32]. Im Spätdienst fuhr
Linie [22] in 2 Sektionen - die eine über Steinwege statt wie sonst
Landungsbrücken nach Hamm und die andere nach Bahrenfeld über eine Schleife
Millerntor - Rödingsmarkt - Landungsbrücken. Dazu muss es dann eine
Gleisverbindung gegeben haben (violett eingezeichnet), von der ich allerdings
noch kein Photo fand. Mit den 7 Linien [1], [2], [11], [17], [18], [19] und [28] war die Strecke über die Poststr. zwar stark belastet, aber eben doch nicht so stark wie der Gr. Burstah. Trotzdem hatte man dort im Jahre 1900 eine Ausweichstrecke Richtung Gänsemarkt über den Jungfernstieg gebaut. Im Burstah quetschten sich die Wagen noch in beiden Richtungen durch den Verkehrsengpass. Zum Glück hatte man die Straße nach dem Brand von 1842 doch so großzügig wieder aufgebaut, dass dieser stark angewachsene Verkehr noch so eben dort hindurchging. Eine Ausweichstrecke über den Alten Wall wollte man nicht. Diese Straße sollte "geschont" werden. |
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Die Gr. Johannisstr, die Verlängerung der wichtigen Verbindung über den Gr.
Burstah in Richtung Rathausmarkt, war ab 01.02.1908 unterbrochen, um Baufreiheit
zu haben für die Hochbahnlinie. Die Linien [4], [6] und [13] wurden dann
doch über Alter Wall umgeleitet und die [7] tauschte mit der [9], die ebenfalls
über Alter Wall fuhr. Auch Linie [22] bediente nicht mehr Ferdinandstr und
Hansaplatz, sondern begleitete die [24] über Messberg und Spaldingstr. nach
Hamm (siehe auch paralleles Kapitel über "Hopfensack und Pumpen").
Diese Umleitung bestand bis zum 08.04.1909. Wie die Gleise verlegt waren, ist nicht genau beschrieben. Die mittelblau angedeutete Trasse für die Linien [4], [6] und [9] sowie [22s] wäre am einfachsten. Die Sonderlinie [22] wurde eingerichtet, um die vorher von dieser Linie bediente Relation aufrecht zu erhalten. Für Linie [13] wurde eigens eine Verbindung vom Graskeller in Alter Wall geschaffen - wie ein Photo zeigt (oben bei "Klick hier" können Sie es sehen). Dies Gleis ist auf der Skizze nebenan grün eingezeichnet. Der Gleiswechsel im Graskeller ist schon auf einer Postkarte von 1899 zu sehen und diente offenbar anderen Zwecken. Die violette Kehrkurve für die Spätlinie [22] war offenbar ab dieser Zeit nicht mehr in Gebrauch. |
![]() Dieses Photo zeigt die im Gleisplan 1908 beschriebene Situation. Geradeaus (in Fahrrichtung der Linie [13]) blickt man in die Straße Graskeller. Von links sieht man das Kehrgleis um die Bier-Quelle und den Laden von F. Dreyer. Unter dem dem Vordergrund zustrebendem Pferd liegt das Gleis von der Michaelisstr. zum Alten Wall. Vom Gleiswechsel im Graskeller ist nach diesem Photo nur noch die nach rechts führende Weiche vorhanden. |
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Mit dem Bau der Hochbahn waren natürlich einige Umbauten verbunden. So
kam als wichtigster Punkt ab 07.12.1912 (Zentralbahn 11.12.1912) doch noch eine Entlastungsstrecke für den Gr. Burstah.
Sie führte zwar nicht über Alter Wall, sondern etwas kurvig über Adolphsplatz
und Mönkedamm. Nur die Linien [7] und [37] fuhren noch einige Jahre auch in
Richtung Landungsbrücken über den Gr. Burstah, weil sie bei der
Hochbahnstation scharf links abbogen.
Auch das Kehrgleis holte nicht mehr so weit aus und nur noch 2 Linien endeten am Rödingsmarkt, die verkürzte [22] und die [31]. Linie [16] war eingestellt und Linie [15] fuhr weiter bis zum Mühlenkamp. Für die Oststrecke der [22] war die [37] eingesetzt worden. Linie [1] hatte mit der [6] und Linie [17] mit der [13] ihre westlichen Endpunkte getauscht, doch ansonsten sieht man hauptsächlich altbekannte Linien. Das violett eingezeichnete Schienenstück dürfte ohne Linienverkehr gewesen sein und ob die Kurve noch bestand, die 1905 von der [22spät] genutzt worden war, ist ungewiss. Dennoch ließ man die zur Zeit unbenutzten Gleise liegen. Bei nötigen Umleitungen erweis sich das später als sehr vorteilhaft - so z.B. vom 18.07. 1922 bis 06.08.1922, als im Mönkedamm Gleisbauarbeiten nötig waren |
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Mit der Verstärker-Linie der [7] in der werkt-HVZ ab 25.06.1924 und ab
17.07.1924 der [40] an den Nachmittagen werktags tauchen zum ersten Mal am
Rödingsmarkt Linien auf, die ihn von Osten zum Kehren ansteuern. Dazu diente
ein neues Gleis in der Admiralitätsstr. Ab 23.12.1924 (Quelle = H. Hoyer) nutzten auch die aus der Kaiser-Wilhelm-Str. und Stadthausbrücke kommenden Linien dann auch für ihren regulären Weg zum Gr. Burstah dieses Gleis. Die Strecke über Graskeller wurde somit nur noch in Richtung Norden befahren, so dass das blau gezeichnete Gleis ohne Linienverkehr war. Neu war dann auch ab 16.05.1925 die Route der [24]. Werktags abends und sonntags endete ihr Weg aus Eppendorf bereits am Rödingsmarkt. Sie kehrte über die auch von der Linie [25] benutzten Schleife und über Graskeller wieder zur Stadthausbrücke. Ab 23.10.1924 fuhr auch Linie [7] brav mit den anderen Linien über Mönkedamm in Richtung Rödingsmarkt. Das violett gezeichnete Gleis im Gr. Burstah war daher von dann an ohne Linienverkehr, blieb aber noch betriebsbereit und wurde vom 06.10.1926 bis 22.02.1927 benutzt, als die Bahnsteige der Hochbahn-Station Rödingsmarkt für den Halt von Zügen mit 6 Wagen verlängert wurden (vorher nur 4 Wagen-Züge möglich) und der Mönkedamm erneut gesperrt war. |
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Im Januar 1944 tauchte als erste Straßenbahn nach den Zerstörungen vom Juli
1943 am Rödingsmarkt die Linie [31] wieder auf. Sie fuhr nicht mehr wie vorher
über Steinwege, sondern über Landungsbrücken. Dabei blieb sie dann auch, als
sie 1955 mit der Verlängerung nach Lurup in [1] umbenannt wurde.
Der Südteil der Neustadt zwischen den Steinwegen und der Elbe war nahezu völlig zerstört. Hier wollte die HHA erst mit dem Bau der sog. Ost-West-Str. durch die Neustadt eine Straßenbahnverbindung wieder herstellen. Doch nördlich der Steinwege standen die Gebäude zum großen Teil noch und so kam am 01.05.1951 - gut 8 Jahre nach den Zerstörungen - mit der Linie [6] über Kaiser-Wilhelm-Str. und Stadthausbrücke wieder eine weitere Linie hier an. Außerdem diente "Rödingsmarkt" auch als Kehrschleife für Verstärkerzüge - aber nur noch in Richtung Osten und nach Süden (Linie [14]). Es dauerte bis zum 28.10.1952, bis nach 9 Jahren Pause wieder eine Straßenbahn über die Steinwege gelangte. Linie [6] nahm diesen Weg unter die Räder, über Stadthausbrücke fuhr seitdem die [7]. |
![]() Lassen Sie sich nicht von den vielen dick eingezeichneten Linien irritieren - hier sind nur schon einmal vorwitzig die am Rödingsmarkt je geplanten Schnellbahnen eingetragen. Die Straßenbahnstrecken sind die Linien mit den jeweils zwei kurzen Querstrichen. Leider sind dabei ein- und zweigleisige Strecken nicht mehr unterschieden - im Gegensatz zu den Vermessungskarten 1:4000 um 1890 und 1900. |
Ab 17.05.1955 kam die [5] von der Stadthausbrücke, die [7] fuhr mit der [6]
über die Steinwege-Strecke. Die [31] hatte ab 29.10.1955 den Namen [1]
angenommen.
Obwohl so geplant, folgte die Straßenbahn doch nicht der neuen Ost-West-Str (jetzt L.-Erhardt-Str.), sondern sie wurde ab 03.08.1957 in beiden Richtungen über die Steinwege gelegt. Über Düsternstr. erreichte die Strecke dann die Michaelisbrücke. Am 01.01.1960 wurde Linie [5] eingestellt und die Strecke über Kaiser-Wilhelm-Str und Stadthausbrücke war über 3 1/2 Jahre ohne Betrieb. Erst ab 07.10.1963 mit den Verstärkerwagen und ab 27.10.1963 generell benutzte Linie [11] wieder diese Route. Der Knotenpunkt Rödingsmarkt - so zeigt dieser Ausschnitt aus einer Grundkarte 1:5000 von 1962 - bot neben den linienmäßig durchgehend befahrenen Strecken weiterhin zusätzlich Kehrmöglichkeiten aus Richtung Gr. Burstah und aus Richtung Landungsbrücken (z.B. für Verstärker der [14] bis Juni 1960). Mehr als vier Linien verkehrten nach dem Zweiten Weltkrieg nie über den Gr. Burstah. Das hatte sicher auch damit zu tun, dass seitdem der Wert der Geschäftslage Gr. Burstah deutlich gefallen war. Der Gr. Burstah machte einige Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg einen eher vernachlässigten Eindruck. |
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Auch dieser Kartenausschnitt mag einiges aus der Endphase verdeutlichen: Noch
lagen die Gleise in Richtung Westen im Graskeller. Die Strecke durch die
Neustadt führte auf diesem Plan zwar schon in beiden Richtungen über die
Steinwege, aber in Richtung Mönckebergstr. über Michealisbrücke.
Vom Baumwall kommend konnten die Bahnen kehren über Graskeller und Heiligengeistbrücke. So hätte man auch von der Mönckebergstr kommend kehren können (Zufahrt über Mönkedamm, Rückfahrt über Gr. Burstah). Beachtenswert ist aber das zusätzliche Kehrgleis mit engem Radius direkt unter der Hochbahn-Station Rödingsmarkt, das die Fahrt über Graskeller und Michelisbrücke abkürzen würde. Von wann bis wann dieses Gleis dort existierte ist mir bisher noch nicht klar. |
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Am 30.05.1965 wurde der Straßenbahnverkehr über Alter Steinweg und Neuer
Steinweg eingestellt. Die zentrale Hauptverkehrsstraße durch die Neustadt über
Großneumarkt und an der Michaeliskirche vorbei war so ohne Bahnanschluss.
Bis 30.06.1973 bedienten die Linien [1] und [7] über Landungsbrücken und [11] über Sievekingsplatz den Rödingsmarkt. Vom 30.05.1970 bis 22.05.1971 begann zusätzlich jeder 2. Kurs der damals wieder neu installierten Linie [12] nach Wilhelmsburg am Rödingsmarkt und nach wie vor war hier eine Wendeplatz in Richtung Osten (und Süden) für Verstärkerfahrten. Linie [11] fuhr zuletzt (siehe rote Linie) in beiden Richtungen über Admiralitätsstr. Durch den Umbau der Schleuse und den Bau der City-S-Bahn brauchte man Platz beim Graskeller. Die violett gezeichneten Gleise entfielen und wurden durch die rot und blau gezeichneten Verbindungen ersetzt. Am 30.06.1973 wurde auch die Strecke über die Straße Rödingsmarkt für die Linien [1] und [7] abgeschnitten. |
| Der 29.06.1975 beendete den Straßenbahnverkehr am Knotenpunkt Rödingsmarkt. Dafür wurde im gleichen Juni 1975 die Station "Stadthausbrücke" der City-S-Bahn eröffnet. |
Horst Buchholz * 05.09.2007 und 27.12.2008 - mit Dank an ergänzende Informationen von Günter Wolter |